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MQuK: Mitteldeutsche Kunststoffverarbeiter wollen mehr Transparenz und Klarheit bei der Formteilmaßhaltigkeit

Unter dem Titel „Formteilmaßhaltigkeit entlang der Prozesskette“ trafen sich am 20. und 21. Januar mitteldeutsche Kunststoffverarbeiter mit Rohstoffherstellern, Konstrukteuren und Messtechnikspezialisten zu einem 2-tägigen Workshop in Leipzig. Organisiert wurde das Treffen vom Mitteldeutscher Kompetenzverbund Qualitätsentwicklung/Bauteilprüfung Kunststofftechnik (MQuk) und dem Kunststoff-Zentrum Leipzig. Das KuZ ist Initiator des MQuK. Als gemeinnützige Forschungseinrichtung sieht das KuZ es auch als seine Aufgabe, den Dialog und die Zusammenarbeit in der mitteldeutschen Kunststofftechnik zu fördern und zu entwickeln.

Mit der Maßhaltigkeit hatte der MQuK ein brisantes Thema angeschnitten. Netzwerkmitglieder, eingeladene Fachleute und neue Interessenten nutzten die Gelegenheit miteinander ins Gespräch zu kommen und zugleich Wege aufzuzeigen, wie konstruktiv mit der Thematik umgegangen werden kann. Denn aus der Einhaltung – oder besser der Nichteinhaltung – vereinbarter Toleranzen ergeben sich Jahr für Jahr Streitfälle zwischen Lieferanten und Kunden. Kommerzielle oder gar gerichtliche Konsequenzen können aber vermieden werden, wenn auf beiden Seiten die notwendige Sachkunde und das erforderliche aktuelle Fachwissen vorhanden ist.

Wissen systematisch nutzen

Mit der Vermittlung von Fachwissen bot der Workshop eine hervorragende Gelegenheit. Rochus Hiekisch (Ticona GmbH) stellte dar, wie die Maßhaltigkeit von Formteilen durch unterschiedliche Viskositäten der Formmasse beeinflusst wird. Auch Anteil und Art der Additive spielen dabei eine große Rolle. Thomas Lüpke, Leiter des Akkreditierten Prüflabores am KuZ, zeigte neben den metrischen Untersuchungen an Formteilen einen Querschnitt der werkstoff- und formteilbezogenen Prüfungen auf, mit denen in vielen Fällen auch Verarbeitungseinflüsse auf die Formteilqualität untersucht werden können.

Was neue Messtechnik bei der Ermittlung von Maßen unter dem Aspekt der Geschwindigkeit, Effektivität und Machbarkeit bewirken kann, wurde in 2 Vorträgen von Messtechnikherstellern deutlich. Bernd Marshaus (Werth GmbH) stellte neue Tendenzen in der optischen aber auch taktilen Bauteilvermessung vor und beschrieb auch den Stand der 3D-Computertomografie aus der Sicht seines Unternehmens. Christoph Gall (Wenzel Volumetrik) hatte die Gelegenheit, sich ausschließlich der 3D-Computertomografie zu widmen.



Die grundlegenden Zusammenhänge zwischen Werkstoffverhalten, Verarbeitungsprozess und Maßhaltigkeit erläuterte Bernd-Rüdiger Meyer (Prof. em., FH Wildau). Er stellte dar, welche Wege bestehen, um Schwindung und Verzug zu minimieren. Im Zusammenhang mit dem von ihm miterarbeiteten und mittlerweile unter den Kunststofftechnikern gut bekannten Positionspapier des TecPart „Formteilentwicklung und Werkzeugbau – Grundsätze zur Konzeption und Tolerierung“ wurde sowohl auf die heute stark verbesserten Möglichkeiten der Erzielung einer hoher Formteilmaßhaltigkeit (verbesserte Werkstoffe, Maschinen, Technologien) hingewiesen als auch auf die Notwendigkeit, das dazu in den Unternehmen vorhandene Wissen besser zu nutzen.


Zurück zu einer vernünftigen Tolerierung

Dirk Falke, als Mitautor des Positionspapiers sowie erfahrener Konstrukteur und Gutachter, machte deutlich, dass in der deutschen Kunststoffindustrie wieder der Weg zu einer vernünftigen Tolerierung der Formteile gefunden werden muss. Statt hunderter Maße, die nur den Aufwand und die Kosten in die Höhe treiben und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Spritzgießer gefährden, sollten nur die 5-10 entscheidenden funktionsbestimmenden Maße für die Qualitäts- und Vertragserfüllung heran gezogen werden. Die dazu in der TecPart-Broschüre enthaltenen Hinweise können sowohl Lieferanten und Kunststoffverarbeitern als auch den Kunden (Systemlieferanten, OEM) zur Grundlage bei der Auftragsvergabe und –bearbeitung dienen. Noch wichtiger ist es allerdings, so betonten viele Diskussionsteilnehmer, diese Grundsätze bereits bei der Formteilkonstruktion zu berücksichtigen.

Neue Norm für kunststoffgerechtes Konstruieren und Tolerieren

Vielen Teilnehmern war bewusst, dass hier noch ein weiter Weg zu beschreiten ist, wird doch bei der Konstruktion in vielen Fällen „in Metall“ gedacht. Kunststoffgerechtes Konstruieren, Tolerieren und natürlich auch Fertigen muss durchgängig über die ganze Wertschöpfungskette erreicht werden. Dazu wird in hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft eine neue Norm beitragen, die die im Oktober 2009 zurückgezogene „DIN 16901: Kunststoffformteile; Toleranzen und Abnahmebedingungen für Längenmaße“ ersetzen soll. Bis dahin kann und wird das TecPart-Positionspapier eine gute Hilfestellung sein. Dass sich dieses auch im Gespräch mit den Kunden bewährt, konnten einzelne Workshopteilnehmer bereits bestätigen. Auch auf der anderen Seite, bei den Formteilkonstrukteuren und Systemlieferanten, ist das Interesse an klaren und vernünftigen Regelungen groß.

Der Workshop hatte im BMW-Werk Leipzig mit der Besichtigung der Fertigungsstrecke begonnen. Diese gute Einstimmung und das Thema waren sicherlich die Gründe für die intensiven Diskussionen und Gespräche unter den Teilnehmern und Vortragenden. Ein Teilnehmer brachte das Klima dieses Workshops treffend zum Ausdruck: „Ich habe noch keinen Workshop erlebt, der soviel Raum für Diskussionen im Programm hatte. Und trotzdem hat die Zeit nicht gereicht.“